Frisch eingeschenkt

+++ Frisch eingeschenkt +++

„Bedeutung von Mineralwasser als Teil der Grundversorgung bestätigt"

Udo Kremer, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Mineralbrunnen (Foto: VDM)

Markus Wolff, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Deutscher Brunnen (Foto: GDB)

Schließung der Gastronomie, Absage von Großveranstaltungen und gleichzeitig hohe Temperaturen und erneut Trockenheit − die Corona-Krise stellt auch die Deutsche Brunnenbranche vor große Herausforderungen. Udo Kremer, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Mineralbrunnen (VDM) und Markus Wolff, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB), äußern sich in „Frisch eingeschenkt” zur aktuellen Situation.

Frisch eingeschenkt: Herr Kremer, wie stellt sich die aktuelle Situation der Brunnenbetriebe nach den gut ersten vier Wochen des absoluten Ausnahmezustands dar?

Udo Kremer: Die Mineralbrunnenbetriebe sind von der Corona-Krise unterschiedlich betroffen. Während im Lebensmitteleinzelhandel und in den Getränkefachmärkten Absätze gehalten und zum Teil sogar deutlich gesteigert werden können, bricht der Absatz in den Bereichen Hotels, Gaststätten, Restaurants, Großveranstaltungen und Messen nahezu vollständig weg. Aufgrund der Schließungen der Kitas und Schulen gilt es für die Brunnenbetriebe, die individuellen familiären Situationen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu berückichtigen und die betrieblichen Belange darauf abzustimmen. Über die arbeitsrechtlichen und finanziellen Unterstützungsmaßnahmen der Bundes- und Landesregierungen sowie über Fragen der Hygiene und Logistik sind die Mineralbrunnenbetriebe informiert. Je länger die Krise allerdings anhält, sind existenzgefährdende Auswirkungen gerade für kleinere Betriebe auch aus der Mineralbrunnenbranche nicht auszuschließen.

Frisch eingeschenkt: Herr Wolff, Vollgut, Leergut und Logistik: Wie gestaltet sich die Abfüllsituation, was die Kapazitäten anbelangt, steht mittlerweile ausreichend Leergut zur Verfügung und funktionieren die Logistikströme einwandfrei?

Markus Wolff: Nachdem in der zweiten Märzhälfte und in der ersten Aprilwoche die Abverkäufe sprunghaft zunahmen, hat sich die Lage jetzt Mitte April merklich beruhigt. Der Leergutrückfluss hat sich normalisiert, nachdem zwischenzeitlich viele Verbraucher ihre Vorräte zu Hause aufgestockt hatten und deutlich weniger Leergut zurückkam als gekauft wurde. Verbraucher haben jetzt aber die Erfahrung machen können, dass es bei Mineralwasser nicht zu Versorgungsengpässen kommt. Daher ist Vertrauen in die Lieferketten und den Handel zurückgekehrt.

Frisch eingeschenkt: Die Witterungsverhältnisse sind erneut, wie auch schon in den letzten Jahren, zu trocken für die Jahreszeit. Sehen Sie in dieser Situation zusätzliche Herausforderungen bzw. Probleme – insbesondere wenn dieser Wettertrend weiter anhält und nahtlos in den Sommer übergeht? (siehe insbesondere die Probleme des heißen Sommers 2018: Kapazitätsauslastung, Leergutproblematik, Frachtraumprobleme, Standzeiten etc.)

Markus Wolff: Letztlich haben die Mehrwegsysteme in den vergangenen Wochen bereits den Testlauf für einen heißen Sommer bestanden. Es war herausfordernd, aber trotz der stellenweise sehr hohen Nachfrage war die Versorgung gewährleistet. Bereits frühzeitig im Jahr haben wir nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der allgemeinen Nachfragesteigerung bei Glas-Mehrwegflaschen die Mengenkontrakte bei der Flaschen- und Kastenproduktion um rund ein Drittel erhöht. Ebenso behalten wir die Entwicklung bei PET-Mehrweg im Auge und können gegebenenfalls schnell reagieren. Wir gehen davon aus, dass Verbraucher jetzt durch die vergangenen Wochen für das Leergutthema sensibilisiert sind, zugleich aber Vertrauen gefasst haben. Gleiches gilt für die Partner im Handel und in der Logistik. Wir sehen uns gemeinsam mit den Mineralbrunnen für die aktuellen Herausforderungen prinzipiell gut gerüstet.

Frisch eingeschenkt: Sind die nötigen Schutzmaßnahmen bzgl. des Coronavirus bei den Brunnen bereits umgesetzt, oder gibt es noch Defizite beispielsweise durch mangelnde Verfügbarkeit von entsprechender Schutzkleidung?

Udo Kremer: Generell kann man sagen, dass die Betriebe die nötigen Schutzmaßnahmen umfassend umsetzen. Jedoch mangelt es gerade in den Bereichen der Logistik der Getränkewirtschaft an Atemschutzmasken zum Eigen- und Fremdschutz im Kontakt mit Dritten. Vor allem für die Fahrer bringt das deutliche Einschränkungen beim Be- und Entladen mit sich.

Frisch eingeschenkt: Wie bewerten Sie die aktuelle Ausnahmesituation für Ihre Mitglieder und die Brunnen-Branche? Welche Auswirkungen hat die Situation jetzt schon bzw. welche Auswirkungen könnte sie für die Zukunft haben? Worauf muss sich die Branche einrichten?

Markus Wolff: Im Moment geht es darum, die Krisenzeit so zu managen, dass die Leergutversorgung gut funktioniert und das Vertrauen in unsere Mehrwegpools erhalten bleibt. Für langfristige Überlegungen und Schlussfolgerungen ist es zu früh, weil sich die Lage immer noch sehr dynamisch entwickelt.

Udo Kremer: Auf der positiven Seite sehen wir, dass die Verbraucher wie auch die Politik die Bedeutung von Mineralwasser als Teil der Grundversorgung bestätigt haben. Wir sindeine systemrelevante Branche, da wir zur Versorgung mit Lebensmitteln beitragen. Außerdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Zusammenarbeit mit fast allen Partnern der Lieferkette konstruktiv und gut gelaufen ist, als es darauf ankam. Das wollen wir für die Zukunft mitnehmen. Wir machen uns hingegen Sorgen um unsere Partner im Hotel- und Gastronomiegewerbe. Wir hoffen, dass sich die Situation dort – mit allen gebotenen Sicherheitsmaßnahmen – bald wieder verbessert.

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