Frisch aufgetragen

+++ Frisch aufgetragen +++

Größtes Wandgemälde Deutschlands in Mannheim

Eine alte Dame zieht in Mannheim derzeit alle Blicke auf sich. Seit dem Spätsommer 2016 blickt „Vera“ von einem Hochhaus in der Brandenburger Straße in die Ferne. Wer von Nord-Osten kommend in die Stadt hineinfährt, dem fällt das eindrucksvolle Porträt unweigerlich ins Auge. Das riesige Wandgemälde zieht sich über 13 Stockwerke und ist 43 Meter hoch. Doch nicht nur die schiere Größe des Murals beeindruckt, sondern auch die Ausdruckskraft eines Gesichts, das unübersehbar vom Leben gezeichnet ist.

Hinter dem Werk steckt Künstler Hendrik Beikirch, der sich mit seinen weltweit zu findenden, überlebensgroßen Porträts einen Namen gemacht hat. Das Porträt von „Vera“ zeichnete Beikirch auf einer Reise durch Sibirien. Im Rahmen des Stadt.Wand.Kunst-Projekts, das die Stadt in eine öffentliche Galerie verwandeln will, brachte er es nun nach Mannheim. Der größte Reiz dabei war für ihn, eine Gestaltung zu entwickeln, die mit der besonderen Architektur des Gebäudes harmoniert.

Mehr als 60 Beteiligte trugen ihren Teil zu dem Mammutprojekt bei, das über ein halbes Jahr Vorbereitungs- und einen Monat Umsetzungszeit beanspruchte. Die Koordination aller Beteiligten lag bei Projektleiter Sebastian Bader vom Kulturzentrum Alte Feuerwache in Mannheim, das Stadt.Wand.Kunst initiiert hat. Mit dem Projekt hatte er alle Hände voll zu tun: „Ein Wandgemälde in dieser Dimension bringt alleine einen personalen Aufwand mit sich, den wir bei früheren Arbeiten so nicht hatten“, sagt er. „Aber dafür haben wir jetzt nicht nur ein Werk eines echten Graffiti-Urgesteins in Mannheim, sondern unseres Wissens nach auch noch das größte Mural Deutschlands.“

Bevor der Künstler mit seiner Arbeit am Gebäude loslegen konnte, waren allerdings einige Vorarbeiten am Gebäude mit seinen 900 Quadratmetern Blechfassade und 600 Quadratmetern Betonuntergrund zu treffen. Der verantwortliche Mannheimer Malermeister Sebastian Krippl (www.krippl.eu) reinigte zu Beginn der Arbeiten gemeinsam mit einigen Mitarbeitern zunächst die Blechfassade und raute die Oberfläche an. Als wässrige Grundierung brachte er „Capacryl“-Haftprimer auf. Es folgten eine Zwischen- und die Schlussbeschichtung mit Caparol Amphibolin, die das Team um den Malermeister teils manuell und teils über ein nebelarmes Spritzverfahren aufbrachte.

Nun war Hendrik Beikirch an der Reihe. Er hatte zunächst am Computer simuliert, wie die Skizze auf dem Gebäude wirken würde. Und übertrug sie dann – teils mit der Spraydose, teils mit Farbrolle und Amphibolin – frei Hand und in tausendfacher Vergrößerung auf die Fassade.


Foto: Alexander Krziwanie