Aus der Geschichte der Mindelburg

Es gilt seit den Zeiten des Mindelheimer Hauptchronisten J. Ph. Brunnemairs als Tatsache, dass  an Stelle der heutigen Mindelburg ehedem ein römisches Befestigungswerk gestanden hat. Als Beweis sieht man heute noch die Nagelfluhgrundmauern, auf denen sich der Hauptbau der Mindelburg erhebt.

Es gibt Anhaltspunkte, daß auf diesen Nagelfluhgrundmauern im 10. Jahrhundert eine Burganlage errichtet wurde.

Urkundlich taucht der Name „Mindelburg“ erstmals gegen Ende des 12. Jahrhunderts auf. In einem anno 1176 angelegten Verzeichnis der Ottobeurer Lehensträger erscheint u.a. ein Heinrich von Mindelburg.

In einer im Württembergischen Urkundenbuch (2, 242) veröffentlichten Urkunde vom 27. Dezember 1185 begegnet uns ein Fridericus de Mindelburch als Zeuge bei einer Rechtshandlung Herzog Friedrichs V. von Schwaben. Wenige Jahre später, am 20. April 1188, ist wieder ein Fridericus de Mindilburc - wohl derselbe wie vorher - mit seinem Bruder Heinrich als Zeuge bei einer Streitentscheidung Herzog Welfs VI. tätig (Mon. Boic. 33a, 48).

Es darf als sicher angenommen werden, dass die Mindelburg, so wie sie sich heute dem Besucher darbietet, in ihren wesentlichen Teilen im 12./13. Jahrhundert schon bestand. Romanische Bauglieder namentlich am Hauptgebäude (gekuppelte Rundbogenfenster mit romanischen Säulchen, Arkaden im „Höfle“, Rundbogenfriese an der Ost- und Nordseite) rücken die Burganlage in die romanische Zeit, also in das 12. oder 13. Jahrhundert.

Vor 1363 war die Mindelburg im Besitz der Schwigger von Mindelberg, die sie von den Grafen von Hohenberg, einem von den Zollern abgezweigten Geschlecht, ursprünglich zu Lehen hatten.

Heinrich von Mindelburg

Heinrich von Mindelburg

Am 22. Juni 1363 verkaufte Elspet von Aychheim, Witwe Schwiggers VI. von Mindelberg wohl infolge Verarmung an den Augsburger Domkustos Heinrich von Hochschlitz und dessen Neffen Walter von Hochschlitz, Domherrn zu Augsburg, um den Preis von 19 000 Pfd. Heller eine Reihe von Besitzungen, darunter die Stadt Mindelheim und „die vest, diu genant ist Mindelburg, der Baw, Luet und Guet, was darzu gehoert“.

Die neuen Herren verkauften jedoch die Mindelburg und Mindelheim im Frühjahr 1365 an ihren Vetter, den Augsburger Bischof von Markwart von Randeck. Die Kaufsumme (20 000 Pfd. Heller) sollte spätestens an Michaeli 1365 bezahlt sein. Bis zur Erlegung der Kaufsumme wurden die Güter dem Herzog Friedrich von Teck, dem Sohne einer Hohenbergerin, und dem Ritter Heinrich von Randeck zu treuen Händen und zinsfreier Verwaltung übergeben.

Am 23. August 1365 erhielt Markwart von Randeck das Patriarchat von Aquileja. Auf den Augsburger Bischofsstuhl wurde zur gleichen Zeit Walter von Hochschlitz berufen. Bei seiner Ernennung hatte Walter zu Gunsten der Augsburger Kirche u.a. auf Mindelburg und Mindelheim verzichtet, begab sich erst 1368 nach vielem Drängen seiner Anrechte auf die Besitzungen.

Nun aber tat Friedrich von Teck nicht mit. Auf Anstiften von Domkustos Heinrich von Hochschlitz verweigerte er die Herausgabe der Güter. Der Bischof rückte mit Waffengewalt gegen Friedrich von Teck und belagerte die Stadt Mindelheim.

Herzog Friedrich von Teck bot, unterstützt von den Grafen von Werdenberg, Veringen, Zollern und anderen Adligen, den Angriffen des Bischofs Trotz.

Die Belagerung wurde aufgehoben, als am 4. Oktober 1369 Bischof Walter durch einen Pfeilschuß des Grafen von Werdenberg fiel.

Nun betrachtete sich Heinrich von Hochschlitz als Herr von Mindelburg und Mindelheim. Um sich gegenüber dem Hochstift Augsburg im Besitz der Herrschaft zu behaupten, verkaufte er am 18. April 1370 deren Hälfte um 1 000 Gulden und 600 Pfd.

Herzog Friedrich II. von Teck

Herzog Friedrich II. von Teck

Heller jährlichen Leibgedings an den streitbaren Herzog Friedrich I. von Teck; über die andere Hälfte setzte er ihn Burgmann und Pfleger ein. Die Teck blieben bis zu ihrem Aussterben im Besitz der Mindelburg.

Herzog Friedrich war ein sehr streitbarer Herr; als Oberbefehlshaber der Augsburger Truppen kämpfte er 1372 gegen Bayern; im Bayerischen Sold belagerte er 1377 Kaufbeuren, mußte aber mit einer Verwundung am Arm wieder abziehen, da die Memminger zum Ersatz heranrückten und seine eigene Herrschaft verheerten.

Ein Mann, der so vieler Herren und Städte Feind war, mußte daraufsehen, daß seine Stammburg gut gesichert war. Er baute wahrscheinlich die Befestigungsanlagen aus. Herzog Friedrich I. starb 1389.

Herzog Friedrich II. von Teck folgt mit seinem Bruder Ulrich 1389 seinem Vater in der Herrschaft Mindelheim, gestorben 1413. Er war zugleich Landvogt in Elsaß und kaiserlicher Statthalter in Italien.

Herzog Ulrich von Teck, nach seines Bruders Tod 1413 bis 1432 Herr der Mindelburg und von Mindelheim, kaiserlicher Feldhauptmann in Italien. Als Herrin waltete an seiner Seite Frau Anna, Tochter des Polenkönigs Kasimir III.

Herzog Ludwig von Teck, Patriarch von Aquileja, seit 1432 Herr von Mindelburg und Mindelheim, seit 1433 nurmehr Nutznießer (sein Neffe Bero I. von Rechberg ist Regent), stirbt auf dem Konzil zu Basel als letzter seines Stammes.

Bero I. von Rechberg, Ritter (Sohn der Irmengard von Teck und des Veit von Rechberg), durch Erbschaft und Kauf seit 1433 bzw. 1447 Herr der Mindelburg und der Herrschaft Mindelheim. Bero I. genoß als Hauptmann des St. Georgsbundes hohes Ansehen und leitete neuen Glanz auf die Mindelburg, er stirbt 1462.

Georg I. von Frundsberg

Georg I. von Frundsberg

Sein Sohn Bero II. von Rechberg (1462-1467) bring Acht und Interdikt über Burg und Stadt und muß die ererbte Herrschaft 1467 für 60 000 rheinische Gulden an den Gatten seiner Schwester Barbara, Ritter Ulrich von Frundsberg und desssen Bruder Hans verkaufen.

Die Frundsberg zogen nun im „Schloß Mündlheimb“ (so die Kaufurkunde) ein. Das Geschlecht herrschte ca. 120 Jahre (1467-1586) auf dem Schloß und man kann diese Zeit als die Glanzzeit der Mindelburg bezeichnen.

Ulrich von Frundsberg, der Stammvater der Mindelheimer Frundsberg war Hauptmann des schwäbischen Bundes, er hatte 14 Kinder und starb 1501.

Sein Sohn Adam von Frundsberg, auch Hauptmann des schwäbischen Bundes, war von 1501 bis 1518 Herr zu Mindelheim.

Sein Bruder Georg I. von Frundsberg (geboren 1473 und gestorben 1528 auf Schloß Mindelburg), kaiserlicher oberster Feldhauptmann und Vater der deutschen Landsknechte, übernahm die Herrschaft und Burg von 1518 bis zu seinem Tode 1528.

Des Vaters Lorbeeren als Feldhauptmann teilte Kaspar von Frundsberg, dessen Sohn Georg II. starb 1586 kinderlos als letzter seines Stammes.

Zur Zeit der Frundsberg war die Mindelburg mit ein Mittelpunkt des deutschen Lebens. Zu Herrn Adams Zeit genoß eine Reihe bekannter junger Adeliger ihre geistige und ritterliche Ausbildung am frundsbergischen Hof. Eine Familie, die im öffentlichen Leben eine so bedeutende Rolle spielte, beherbergte oftmals hohe und weitgenannte Persönlichkeiten auf der Mindelburg; so z.B. Kaiser Maximilian I., Franz Sforza, Herzog von Mailand, Karl von Bourbon; von Kirchenmännern Martin Luther, Johannes Staupitz, Luthers Ordensoberer und Gönner, der Herrn Adam die Leichenpredigt hielt, der Konstanzer Reformator Johannes Wanner, sein Gegenspieler, der Konstanzer Generalvikar und spätere Bischof von Wien Johannes Fabri; unter den vielen Kriegsleuten Kaspar Winzerer; von Gelehrten der bekannte Arzt und Alchimist Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, der Kosmograph Sebastian Münster.

Hans von Fugger

Hans von Fugger

Die starken Befestigungswerke und wohl auch schon der Klang des Namens "Frundsberg" hielten Kriegsschrecken von der Mindelburg fern; selbst im Bauernkrieg blieb sie unversehrt, trotzdem die Aufständischen hatten vernehmen lassen:“Sie wöllen das Schloß zu Mündelheym eynnemen und stürmen.“

Welcher Geist und welche Lebenskultur auf der Mindelburg zu den Zeiten der Frundsberg herrschte, offenbart am besten und zuverlässigsten ein 375 Jahre altes Buch, das im Stadtarchiv sein verborgenes dasein führt. Als Herr Georg II. gestorben war, erhob sich zwischen den Herrn von Fugger (als Gemahl einer Nichte Gerorg II.) und Maxlrain (als Vetter) um das Erbe ein häßlicher Streit, der bis vor das kaiserliche Gericht getragen wurde.

Im Verlaufe dieses Streites (1591) legten die beiden kaiserlichen Delegierten B. von Berlichingen und G. v. Gadner ein genaues Verzeichnis des frundsbergischen Hausrates an. Alles war aufgeführt, vom reichen Silber und Goldschatz, der umfangreichen und wertvollen Schloßbibliothek, der großen Gemäldesammlung und die vielen Prunkteppiche für Wand, Tisch und Betten der fast 100 Räume und Säle und auch das umfangreiche Kriegsgerät mit 22 Stück Geschütz und Herrn Georgen I. Rüstung und Schwert (ein Geschenk des Kaisers), sowie das Jagdgerät. Außerdem waren die kostbaren Möbel bis herab zum Betten des Hofnarren und dessen Fliegenwedel, sowie den Schätzen der Wäschetruhen ausführlich beschrieben.

In den endgültigen Besitz der Mindelburg kamen weder die Fugger noch die Maxlrainer, sondern als lachender Dritter Herzog Maximilian von Bayern, dem Wolf Veit von Maxlrain 1614 seine Ansprüche abtrat und der dann die Entscheidung auf die Spitze des Schwertes steckte. Der Bayer zog 1616 vor Schloß und Stadt Mindelheim und erzwang sich mit Waffengewalt Eingang. Hern Fugger blieb nichts anderes übrig, als sich mit Geld, Kleinodien und Gerätschaften aus der Burg abfinden zu lassen. Ein anderer Teil der Schätze und der herrlichen Einrichtung wurde später durch die Schweden weggeschleppt.

Herzog Maximilian I. von Bayern

Herzog Maximilian I. von Bayern

Hans von Fugger war 1587 vom kaiserlichen Hof in den Blutbann, Forst und Zoll der Herrschaft Mindelheim und des Schlosses als Reichslehen eingesetzt. Er regierte bis zu seinem Tod 1599 gemeinsam mit Wolf Wilhelm von Maxlrain.

Sein Sohn Christoph von Fugger, Gemahl der Maria von Schwarzenberg (Miterbin der frundsberg’schen Hinterlassenschaft) übernimmt die Herrschaft, Burg und das Reichslehen bis 1616.

Wolf Veit I. von Maxlrain, Sohn des Miterben und Mitregenten Wolf Wilhelm von Maxlrain, Exverlobter der Maria von Schwarzenberg, 1603 seines Erbanspruches entsetzt, überträgt 1614 seine Rechte kurz vor seinem Tode (1616) auf Herzog Maximilian von Bayern.

Maximilian I. von Bayern, erst Herzog, dann Kurfürst, nimmt 1616 bewaffneten Besitz von Herrschaft und Burg, und bewegt 1617 die Fuggersche Familie zur förmlichen Abtretung mit Lehen und Eigentum. Er starb 1651.

Benedikt von Oxenstierna, Bruder des schwedischen Kanzlers, Reichstallmeister der Krone Schwedens, war während des 30jährigen Krieges im Jahre 1634 Herr des Schlosses und der Herrschaft Mindelheim.

Das Schloss und die Herrschaft Mindelheim mit dem Reichslehen blieben nun bis auf eine kurze Unterbrechnung im Besitz der Kurfürsten von Bayern.

Im Jahre 1706 erhielt John Churchill, Herzog von Marlborough, englischer Feldherr mit Prinz Eugen im spanischen Erbfolgekrieg, durch Kaiser Josef I. Schloß und Herrschaft als Fürstentum mit dem erblichen Titel eines Fürsten von Mindelheim, verliert aber im Frieden zu Rastatt 1714 das Fürstentum wieder an das Kurhaus Bayern - den Fürstentitel behält er jedoch.

John Churchill, Herzog von Marlborough, Fürst von Mindelheim

John Churchill, Herzog von Marlborough, Fürst von Mindelheim

Als im Jahre 1806 Kurfürst Maximilian Josef IV. König von Bayern wird, hört Mindelheim auf, eigene Herrschaft zu sein und bleibt bei der Krone Bayerns.

Im Jahre 1878 erwarb dann der aus Mindelheim gebürtige Münchener Architekt Ludwig Schramm die Mindelburg und gestaltete sie durch Ein- und Umbauten aus. Nach Schramms und seiner Frau Tod (1903) erhielt das Schloss verschiedene Herren (v. Brauchtisch, Konstein, Schwarzwälder, Jansen, Bergmann), von denen es keiner für längere Zeit inne hatte.

1927 wurde in einem Teil der Burg das Heimatmuseum errichtet, 1933/34 zog die Reichsbauernführerschule in die historischen Räume ein.

Während und nach dem 2. Weltkrieg fand die Mindelburg Verwendung als Versehrtenlazarett. 

Nach Auflösung des Lazaretts 1949 übernahm der Verleger Werner Sachon für sich und seinen Verlag das Schloss und die Burganlage. Viele Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten waren notwendig, bis die ehrwürdigen und so geschichtsträchtigen Gebäude vor allem auch nach innen wieder in einen funktionellen und auch repräsentativen Zustand gebracht wurden.

Heute bietet der Verlag 80 qualifizierten Arbeitnehmern, die in den imposanten, mittelalterlichen Gebäuden auf modernste Technologien zurückgreifen können, Beschäftigung.

 

LITERATUR: Dr. Friedrich Zoepfl
„Georg von Frundsberg und die Mindelburg“
„Geschichte der Stadt Mindelheim“.

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